Glossar
Diese Zusammenstellung soll mein Verständnis einiger Begriffer etwas näher erläutern. Sie erhebt keinerlei Anspruch auf Wissenschaftlichkeit oder Vollständigkeit und wird ständig erweitert. Die hier angesprochenen Themen werden von verschiedenen sozialwissenschaftlichen Disziplinen untersucht, und so gibt es z.T. ganz unterschiedliche Perspektiven. Auch mein persönlicher Blick ist durch multiple Sichtweisen und Erfahrungen geprägt.
Die sehr komplexen Themenfelder können hier nur kurz angerissen werden. Weiterführende Links finden Sie am Ende dieser Seite.
Indirekte Institutionelle Diskriminierung
Wenn durch institutionelle Regeln und Praktiken, die ohne Vorurteil oder negative Absicht entstanden und umgesetzt wurden, Angehörige bestimmter Gruppen überproportional negativ getroffen werden, spricht man von indirekter institioneller Diskriminierung.
Intersektionalität
Soziale Kategorien wie z.B. Gender, Ethnizität oder Klasse können nicht isoliert voneinander betrachtet werden, sondern müssen in ihrer Verwobenheit mit ihren Wechselwirkungen analysiert werden. Es muss jeweils geschaut werden, zu welcher Zeit, an welchem Ort und in welchem sozialen Umfeld es Machtunterschiede und Diskriminierung gibt und welche Konsequenzen für die Betroffenen daraus entstehen. So kann eine Person z.B. als Frau, die Schwarz und lesbisch ist oder als Muslim, der alt und beeinträchtigt ist, in verschiedenen Kategorien auf verschiedene Weise, und somit mehrfach diskriminiert werden. Die verschiedenen Diskriminierungserfahrungen können dabei aber nicht einfach addiert werden, denn es entsteht eine spezifische Form der Unterdrückung.
Die Ursprünge der Intersektionalitätsforschung lagen vor etwa 30 Jahren im Schwarzen Feminismus, der afroamerikanischen Arbeiter*innen-Bewegung und der Critical Race Theory.
Konzepte und Kategorien/ Soziale Konstruktionen
Soziale Kontruktionen helfen uns, uns in einer äußerst komplexen Welt zu orientieren und zu verorten. Kategorien sind wie "Schubladen im Kopf", sie geben uns Struktur, Sicherheit und relative Planbarkeit, und sind dadurch "bequem". Die Art, wie wir über bestimmte Merkmale denken, wird in der Regel stark durch unser Umfeld, Familie, Schule, Freunde, Arbeitsplatz, Unternehmen und Institutionen, Wissenschaft, Politik, Geschichtsschreibung und Medien beeinflusst. Viele Werte, Haltungen, Einstellungen und Annahmen haben wir gelernt, übernommen und verinnerlicht, ohne sie zu hinterfragen. Wir sind alle voller - meist unbewusster - Vorurteile und bei der Frage, woher die Bilder im Kopf stammen, können auch historische Entwicklungen und gesellschaftliche Machtverhältnisse nicht länger unberücksichtigt bleiben.
Konzepte und Kategorien können jedoch niemals die Wirklichkeit wiederspiegeln, denn diese ist viel komplexer. Die Realität - das Individuum mit seinen vielfältigen, dynamischen Identitätsmerkmalen und Perspektiven kann nur sichtbar werden, wenn Zuschreibungen, Stereotypen und Kategorisierung aufgebrochen und dekonstruiert werden. Solange Menschen aufgrund von schematischen Zuordnungen auf einzelne Merkmale reduziert werden, erleben sie durch diese Entsubjektivierung Gewalt, unter der sie auf vielfältige Weise leiden.
Strukturelle Diskriminierung
Diejenigen, die die gesellschaftlichen Normen erfüllen, werden systematisch privilegiert. Solange die gesellschaftlichen Strukturen für selbstverständlich gehalten werden, haben von Diskriminerung Betroffene nicht die Möglichkeit, diskriminierende Strukturen zu vermeiden. Untersuchungen haben ergeben, dass z.B. Kinder mit Migrationsgeschichte höhere Leistungen erbringen müssen, als Schüler*innen ohne Migrationsgeschichte, um an weiterführenden Schulen akzeptiert zu werden. Auch wenn Menschen z.B. allein aufgrund ihres Erscheinungsbildes vermehrt von der Polizei kontrolliert werden, oder z.B. wegen ihrer Hautfarbe für kleine Normverletzungen stärker bestraft werden, als andere, findet strukturelle Diskriminerung statt. Der Lohnunterschied zwischen Frauen und Männern ist ein weiteres Beispiel für strukturelle Ungleichbehandlung.
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