Interkulturelle Kompetenz
Kulturelle Konzepte
Bereits in der Antike unterschied man Kultur als das vom Menschen Geschaffene im Unterschied zur nicht vom Menschen geformten Natur.
Zahlreiche Philosophen weltweit haben sich mit dem Kulturbegriff befasst, und sind zu unterschiedlichen Auslegungen gekommen. In Deutschland haben Philopophen wie Hegel, Leibniz und Kant das Verständnis über lange Zeit entscheidend geprägt. So wurde Kultur seit dem Zeitalter der Aufklärung vorwiegend als homogene kollektive Ausdrucksform von "Zivilisiertheit", Wissen, Glauben, Kunst, Moral, Gesetz und Sitte verstanden - ein Verständnis, das das Denken der Menschen bis heute beeinflusst. Dieses auf Homogenität und Überlegenheit beruhende Kulturverständnis ist gefährlich, weil damit Ungleichbehandlung, Diskriminierung, Genozid und andere Verbrechen an "Unzivilisierten" im Namen von Kultur legitimiert wurden und werden.
Heutige Ansätze stellen den konstruktiven Charakter und die dynamischen, hybriden Ausdrucksformen von Kultur in das Zentrum der Betrachtung. Kultur wird eher als Vielfalt sich ständig wandelnder, individueller Perspektiven betrachtet.
Doch durch den Einfluss von Familie, Freunden, Nachbarn, Gemeinde, Schule, Kirche, Vereinen, Betrieben, Insititionen und die Medien bekommen wir Bilder, Einstellungen, Vorannahmen, Werte und Normen vermittelt, die unser Konstrukt "Kultur" ständig bestätigen und reproduzieren, und dadurch bisweilen wie eine reale, naturgegebene Tatsache erscheinen lassen. Dann wird von "den Deutschen", "den Türken", "den Chinesen", etc. gesprochen, so als ob es sich um homogene Gruppen handeln würde, die fest definierte, gleich bleibende Eigenschaften hätten.
Kulturelle Identität
Kollektive soziale Konstruktionen wie die der Kultur dienen dazu, dass wir uns die Welt erklären, uns in ihr orientieren und verorten können. Sie haben also eine identitätsstiftende Wirkung: In der Abgrenzung vom "Anderen" und im Betonenen von Unterschieden ("Othering") verorte ich mich selbst in einer bestimmten Gruppe, z.B. als Deutsche. Die Identifikation damit, deutsch zu sein, wird dann Teil meiner Identität. Problematisch bei diesem universell zu beobachtenden Phänomen des Othering ist aber, dass wir uns bei der Betrachtung selbst zum Referenzpunkt der Beurteilung, zum Maß aller Dinge machen. Dann beurteile ich "die Anderen" von meiner in Deutschland sozialisierten Perspektive aus. In der Interaktion mit Menschen, die z.B. andere Kommunikations- oder Deutungsmuster haben, kann Ethnozentrismus aber schnell zum Problem werden, da mein Gegenüber eine andere - aber genau so berechtigte - Perspektive hat.
Es ist daher gut, sich die eigene "Brille", durch die man die Welt betrachtet und beurteilt, bewusst zu machen und sich mit Stilisierung, Stereotypenbildung, Vorurteilen und Diskriminierung zu befassen.
Dem Konzept der Kulturellen Identität wird eine kollektive Identifikation mit Nationalität, Ethnie, Religion, Sprache, Ästhetik, Traditionen, Bräuchen, Werten und Normen zugrunde gelegt. Wie oben schon ausgeführt, sind weder die Ausdrucksformen, noch deren Bedeutung oder Wahrnehmung für alle gleich. Es gibt also keine homogene, z.B. deutsche Kultur, nur singuläre, individuelle Perspektiven, die alle aus unterschiedlichen Lebenswelten gespeist werden, da eine Vielzahl an Einflüssen und Faktoren unser Leben bestimmen. Nicht alle Menschen, die den selben kulturellen Hintergrund haben, haben z.B. die selben Interessen, Religion, Traditionen, Werte oder Normen.
Die Themen Kategorisierung, kulturelle Zuschreibungen, Vorurteile, Stereotypendenken und Diskriminierung können im Interkulturellen Training sehr gut bearbeitet werden.
Eine Reihe von Studien während der letzten Jahre (z.B. Barmeyer 2010, Genkova/ Whiting 2020) haben gezeigt, dass Teilnehmende von einem Interkulturellen Training folgendermaßen profititeren können:
- Offenheit gegenüber Neuem und Unbekanntem
- Abbau von Vorurteilen
- Flexibilität und Anpassungsfähigkeit
- Ambiguitäts- und Frustrationstoleranz
- positive Einstellung zu Vielfalt
Dennoch wird die Notwendigkeit, sich mit dem Thema Kultur zu beschäftigen leider noch immer häufig unterschätzt. Erst im Krisenfall, wenn "das Kind in den Brunnen gefallen ist", wird vielen klar, dass eine intensive Auseinandersetzung mit kulturbezogenen Fragen zur Problemlösung nötig ist.
Häufige Probleme, die im Zusammenhang mit kultureller Prägung stehen, sind:
- Kommunikationsprobleme (z.B. Missverständnisse, sprachliche Diskriminierung, Kommunikationsabbrüche)
- Unzulänglichkeiten in der Fähigkeit oder dem Willen, bei Bedarf eine andere Perspektive einnehmen zu können, hegemoniale Kulturvorstellungen, Ethnozentrismus
- Vorurteile, Rassismus, versteckte oder offene Diskriminierung
- Verwechslung von Integration und Assimilation
Training oder Coaching?
Training ist eher wissensorientiert und findet meist in einer Gruppe statt. Eine kompakte, intensive Form hat sich hier als ideal erwiesen (z.B. Wochenendseminar). Coaching reflektiert eher das persönliche Erleben und sollte die Entwicklungsprozesse über einen etwas längeren Zeitraum begleiten, möglich sind Einzel- oder Team- bzw. Gruppencoaching.
Um den optimalen Effekt zu erzielen, sollten sich Training und Coaching ergänzen (Genkova, 2020, Studie siehe oben).
Zu meinen Trainings
Während z.B. Integrationstrainings den Teilnehmenden schnell "die typisch deutsche Art" und praktische Tipps vermitteln wollen, habe ich mich bewusst für einen kulturallgemeinen und erfahrungsorientierten Ansatz entschieden. Darin sehe ich viele langfristige Vorteile für die Teilnehmenden:
- Durch die kulturallgemeine Auseinandersetzung verstehen die Teilnehmenden die Funktion und allgemeinen Wirkprinzipien von Kultur. Dieses Wissen können sie auch auf andere Kategorien übertragen. Kulturspezifisches Ländertraining betont die Unterschiede zur Referenzkultur und befördert eher Stereotypendenken.
- Kulturspezifika sind immer kontext- und zeitabhängig. Kultur ist dynamisch und verändert sich kontinuierlich. Ein kulturallgemeiner Ansatz berücksichtigt dies und erklärt die Phänomene von einer Metaebene aus. Durch das tiefere Verständnis der allgemeinen Wirkprinzipien als Basis kann bei Bedarf an länderspezifischen Informationen schnell spezifisches, aktuelles und kontextbezogenes Kulturwissen angeeignet werden.
- Stereotypendenken und Vorurteile werden in ihrer allgemeinen Funktionsweise beleuchtet und hinterfragt. Es sollen nicht Vorurteile gegenüber bestimmten Kulturen abgebaut werden, sondern Beurteilungen, Vorurteile und Rassismus allgemein (selbst-)kritisch reflektiert werden. Die persönliche Reflexion kommt den Teilnehmenden auch im Bezug auf andere Themen zugute.
- Der erfahrungsorientierte Ansatz stellt die persönliche Erfahrung der Teilnehmenden mit den jeweiligen Themen in den Fokus - das Erlernte soll individuell erfahrbar werden und dazu beitragen, dass die/ der Einzelne den eigenen Handlungsspielraum nachhaltig und kontextunabhängig erweitern kann. Selbstreflexion, Simulationen und Rollenspiele helfen, die Lerninhalte im Training nicht nur verstehbar, sondern auch persönlich erleb- und integrierbar zu machen. Nachhaltig gestärkt werden hierbei auch Selbst- und Fremdwahrnehmung und Empathie.
Auch die Diversitykompetenz kann erhöht werden, da das Gelernte gut auf andere Kategorien transferiert werden kann.
Seit mehr als 15 Jahren begleite und unterstütze ich in verschiedenen Kontexten Menschen bei interkulturellen Problemstellungen. Über 700 Teilnehmer*innen haben seit 2012 an meinen evaluierten Trainings teilgenommen.
Referenzen:
"Durch die Erweiterung unserer Arbeit mit europäischen Freiwilligen sind wir als Leitungsteam verstärkt mit problematischen Situationen konfrontiert, die aus verschiedenen kulturellen Kontexten herrühren. Frau Vogelmann hat uns mit ihrer vertieften Expertise im Thema Interkulturelle Kompetenz die Wahrnehmung geschärft, den Horizont erweitert und uns einige positive "Aha- Effekte" beschert. Ein sehr wertvoller Klausurtag mit ihr!"
(Volker Höhlein, Geschäftsführer S´Einlädele gGmbH, 2021)
Caritas Verband für die Erzdiözese Freiburg (Seminare seit 2021)
EOS Freiwilligendienste (Konzept zur Seminarbeit, Seminare 2019)
KURVE Wustrow Freiwilligendienste (Seminare 2018)
Duale Hochschule Mannheim (Lehraufträge 2015-16)
Pädagogische Hochschule Freiburg (Konzepte, Lehraufträge 2012-17)
Mehr Informationen über mich finden Sie hier.
Haben Sie Fragen? Gerne erstelle ich ein individuelles Angebot für Sie! Hier finden Sie Kontaktinformationen.